171 KM ÖM JANZ KÖLLE – ODER AUCH DIE WASSERSCHLACHT VON KÖLN

Am ersten Juliwochenende 2017 hatte ich mir was ganz besonderes vorgenommen: Einmal um ganz Köln laufen! Natürlich war mir schon klar, dass ich für so einen Lauf echt gut trainiert sein muss und ich bei diesem Rundkurs mit einigen Höhenmetern zu rechnen habe, aber so eine Schlacht soll so schnell nicht noch einmal geschlagen werden.

Aber mal von Anfang: Elias und ich sind mit dem Fernbus nach good old Colonia gefahren und wir sind dort mit zwei Stunden Verspätung angekommen. Um mir ein wenig den Druck zu nehmen, sind wir gemütlich mit dem Taxi in den Startbereich gefahren, da ich nur noch zwei Stunden Zeit hatte, bis es über die Startline gehen sollte. Elias wollte mich mit dem Rad so weit über den Köln Pfad begleiten, wie es für ihn machbar ist und wie sich später herausstellt, ist so einiges machbar.

Im Startbereich angekommen, konnte ich mich erst einmal sammeln und mich auf die nächsten Stunden vorbereiten, einige meiner Sachen haben wir natürlich vergessen, nur zu gut, dass Elias ein Fahrrad mit Gepäcktaschen bekommen hat. Das ich bis dahin eigentlich schon jetzt zu wenig geschlafen habe, muss ich wohl nicht besonders ausführen, denn der Start sollte pünktlich um 0 Uhr am Samstag stattfinden und dann wollen fast 50 erfahrene Ultraläufer zusammen mit mir einmal um meine alte Heimat Köln laufen. 

Beim Start war alles noch recht trocken und wir sind als erstes einmal gleich in ein Waldstück gelaufen. Dort zeigte sich schnell: Ich bin mit meiner Technik gut ausgestattet und kann den Pfad gut sehen. Ich konnte das Feld bei einer Bahnüberqueerung schnell hinter mir lassen und war die ersten Kilometer an Position zwei.

Wenn ich schon im Vorfeld den Druck habe, die gute Postion zu halten, werde ich einfach nur gestresst und habe dann am ersten Verpflegungspunkt erst Elias mit dem Rad eingesammelt und ein paar Läufer überholen lassen. Also ab von der Schäl sick über die Mülheimer Brücke in Richtung Leverkusen. In der Nacht gab es auch noch den Summer Jam und so hatten wir sogar noch eine wenig Musikalische Untermalung auf den ersten Kilometern. 

Als wir um 4 Uhr wieder am dritten Verpflegungspunkt angekommen sind war ich total überwältigt  von der Auswahl auf den Tischen und der Freundlichkeit der Beteiligten. Doch leider hat danach die Regenschlacht von Köln begonnen, es hat unaufhörlich die nächsten sieben Stunden geregnet und Elias tat mir auf dem Rad echt leid. 

Man muss dazu sagen, am Abend vorher war Elias noch auf einer Party und hat die Monate nicht so wie ich für diese Strecke trainiert.

Mit Meinem Regenponcho haben mich auch schon die ersten Mitstreiter ausgelacht, doch dass war mir egal. Mir war es einfach wichtiger nicht kalt zu werden und genug Motivation für Elias und mich zu haben. 

Als mich nach zwölf Stunden und 45 Minuten meine erste Laufuhr dank zu schwachen Akkus verlassen hat, hatte ich schon mehr als die Hälfte der Strecke geschafft. Am Kilometerpunkt 91 gab es dann erst einmal trockene Laufsachen für mich und eine warme Suppe für Elias. Es ging also nach einer kurzen Pause weiter Richtung Süden und damit in den Streckenabschnitt, der die größeren Herausforderungen darstellen solle.

Wir wussten zwar, dass der nächste geplante Verpflegungspunkt erst in 25 Kilometer sein würde, doch dass störte uns nicht. Elias und ich haben versucht uns gegenseitig zu motivieren und zu ziehen. 

Als ich beim Verpflegungspunkt acht angekommen bin, war ich kurz davor ans aufgeben zu denken, doch ich lag gut in der Zeit und es sollten ja keine 60 Kilometer mehr sein. Dass jetzt erst der anspruchsvolle Teil der Strecke mit den Höhenmetern kommt, war mir nicht ganz so klar. Wir sind dann Richtung Bensberg gelaufen. Am Verpflegungspunkt kurz vor dem Schloss haben wir dann erfahren, dass der Führungsläufer von einem Bussard angegriffen wurde. Allerdings sollte uns dieses Schicksal nicht ereilen, denn es regnete wieder und im Regen jagen Bussarde wohl nicht. Wir sind Berg auf und ab durch den Wald gelaufen und teilweise waren die Anstiege so gewaltig, dass ich Elias helfen musste, dass Fahrrad hoch zu schieben

Auf den letzten Kilometern hat sich ein weiterer Ultraläufer uns angeschlossen, der wirklich Pech mit seiner Technik hatte: Kein GPS, keine Uhr und keine Lampe für die dunklen Stunden.

Er hat versucht durch das lesen von Fahrradspuren den richtigen Weg zu finden.

Wir sind zusammen als dritter im Ziel angekommen und ich bin glücklich wieder einen so großen Ultra in einer Zeit unter 24 Stunden zu finishen.

Ein ganz besonderer Dank geht an Elias, der mich auf der Strecke gut motiviert hat und selbst an seine Grenzen gegangen ist. Eine solche Strecke in einem Schneckentempo im Regen zu fahren ist schon echt heftig, aber das ganze bei teilweise echt schlecht ausgebauten Untergrund ist schon eine Höchstleistung.

Mein Fazit zu diesem Ultra: Auf jeden Fall mal laufen, doch am besten wirklich mit einem Begleitrad und Technik, die über die Distanz hält. Denn Der Weg ist nicht so gut ausgeschildert und um ins Ziel zu kommen, läuft man die letzten Kilometer Wieder durch einen dunklen Wald.